25.8.2020 Nesthorn Südgrat

Zu dieser Tour findet man wenige Informationen dazu ist sie noch ziemlich abgelegen und von überall her weit zu erreichen. Also genau etwas für uns! Zusammen mit Eva machen wir uns auf ins Gredetschtal. Parken kann man in „Zienshischinu“ und ich würde das nächste Mal auf jeden Fall durch den direkten Tunnel ins Gredetschtal gehen, da der Wanderweg aussenrum mit den in Fels geschlagenen Tunnels und Wegen doch ausserordentlich mühsam, weil sehr tief, ist. Durch den kleinsten Tunnel musste man hier sogar kriechen…
Weiter ins Tal geht’s flach über den zuerst breiten Weg vorbei an 2 Berghütten und nach der 2. hat’s eigentlich nur noch wenige menschliche Spuren. Man fühlt sich für einmal nicht wie in den Alpen, super!
Wir beziehen unser Lager bei den hausgrossen Steinen auf 1970 m.ü.M, welche von weitem gar nicht so gross erschienen. Den restlichen Nachmittag geniessen wir das schöne Wetter und „dolce far niente“. Früh gehen wir bereits ins Bett, welches in unserem Zelt zwischen den Blöcken ist, denn der Wecker ist bereits auf 2:45 Uhr gestellt.
Hier wäre es an verschiedenen Stellen zwischen und um die Blöcke möglich auch ohne Zelt zu biwakieren. Da die 1.5h Zustieg nicht sehr viel sind, entschieden wir uns für den Luxus vom Zelt.

Frühmorgens nach Kaffee und Frühstück verlassen wir um 3:30 Uhr den Biwakplatz Richtung Nesthorn. In der stockdunkeln Nacht in diesem weglosen Gelände war es ziemlich schwierig die Übersicht zu behalten und wir waren eigentlich meist zu weit links.
Der ideale Weg wäre im Aufstiegssinne links des Baches bis es steiler bergauf geht und von da nach NW bis ca. 2600m. Auf dieser Höhe nach Osten traversieren bis man gerade unter der Genderflüö ist. Hier über die Moräne bis kurz unter die Wand und dann zuerst leicht absteigend dann aufsteigend auf deren Ostseite weiter bis man auf 2940m auf die Rampe, welche nach Osten durch den Felsriegel leitet, trifft. Nun gerade hoch bis man auf 3180m auf den Südgrat trifft. Bis hierhin hatten wir genau die geplanten 3h und bei Licht geht’s nun los mit dem, für was wir überhaupt hier sind, nämlich das Klettern!

Die Wegfindung ist einfach, man muss sich vorstellen, wo man klettern würde wenn noch niemand hier gegangen ist, und was der einfachste Weg durch diesen Felsriegel wäre. Also steigt man die flache Rampe in Richtung des Kamins hoch (von rechts nach links). Fürs frühmorgendliche aufwärmen fand ich den Kamin anspruchsvoll (IV+) aber gut absicherbar. Oben hat’s dann alte Schlingen im Stand welche noch verbessert werden können. Die nächste kurze (20m) Seillänge geht viel einfacher (IV) und ist schnell gemacht. Nun folgt die Schlüsselstelle der gesamten Tour und vom Stand klettert man etwas links weg in die plattige offene Verschneidung, hier steht im Führer etwas von einem Fixkeil, den habe ich aber nicht gefunden, war aber sehr froh konnte ich den kleinen grünen Stopper von BD bei der Schlüsselstelle legen (VI-/5b plattig).

Weiter gehts über einfacheres Blockgelände zum Grat. Nun folgt man alles dem Grat, manchmal etwas links, manchmal etwas rechts oder direkt auf der Gratkantem immer dem einfachsten Weg folgend. Vom 1. Turm muss man noch 1x in eine sandige Rinne abseilen bevor’s im perfekten Fels weiter dem Grat entlang ging. Nach dem 2. Mal abklettern von einem Turm in eine Scharte sieht man unten (westseitig) ein sandiges Band, zu welchem wir abstiegen. Den nächsten Turm umgehen wir so auf der Westseite einfacher aber sehr schwer absicherbar. Nun kommt man in einfacheres aber brüchigeres Gelände im oberen Teil des Grats. Hier haben wir eigentlich alle Türme durch die Flanken links und späteres Hochklettern umgangen (III max), da der Fels zum steilen klettern am Grat nicht wirklich einlud.
Die kurze Schneepassage am Gipfelgrat hatte perfekte Verhältnisse, wie auch der Gipfelgrat. Also steigen wir einfach in wenigen Minuten hoch zum Gipfel, welchen wir etwa 8h nach Aufbruch am frühen Morgen erreichten.

Den Abstieg über den Westgrat bringen wir zügig hinter uns, mit 2 kurzen Sicherungspassagen, wo das Blankeis durchkam. Am Gredetschjoch schneite es dann kurz mal und wir müssen etwas suchen um die Abseilstelle zu finden. Diese ist eigentlich ganz einfach zu finden, man muss nur immer dem Grat weiter folgen, bis man links eine Sicherungsstange sieht. Nach dem Abseilen auf dem Gredetschgletscher angekommen wenden wir uns nach SE und steigen in Richtung des Einstiegs wieder ab. Dann steigen wir den gleichen Weg wie am Morgen, mit einigen verbesserten Routenwahlen, wieder ab.

Vielen Dank, Eva, für die beiden super Tage am Berg!

Fazit

Superschöne Kletterei am Südgrat des Nesthorn welche in Sachen Einsamkeit und Commitment in den Alpen ihresgleichen sucht. Der Grad sollte mit Bergschuhen locker beherrscht werden, da das Absichern schwierig und somit Stürzen in einigen Passagen einfach nicht drin liegen würde. Die gesamte Ernsthaftigkeit der Tour ist ziemlich hoch, da man, für Alpenverhältnisse, sehr weit von der Zivilisation weg ist. Ein Rückzug wäre nur bis zur 3. Seillänge im Vorbau möglich. Danach ist ein Abstieg via Gipfel und Westgrat die einzige Möglichkeit. Der Grat ist sonnig war aber bei uns mit dem starken Westwind ziemlich kalt. Die Felsqualität ist in den schwierigen Passagen sehr gut.

Zeit
Die beste Zeit für die Tour ist sicherlich im Sommer, wobei wahrscheinlich auch im Frühsommer und Herbst, wenn die Felsen im unteren Teil trocken sind eine Begehung gut geht. Im oberen Teil kann auch ein bisschen Schnee liegen, da hier die Kletterei bis max III ist und auch locker mit Steigeisen geklettert werden kann.

Unsere Zeit
3:30 Start Biwak
6:45 Start Kletterei
9:45 Übergang in oberen Teil des Grates
11:30 Gipfel
15:30 Zurück am Biwak

Material
50m Einfachseil (30m würde reichen)
120cm Schlinge
BD Friends Micro Grün-Gelb
BD Friends 0.4-1
einige Alpinexpressen
Helm
Hochtourenausrüstung

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