März 2020 – Gamsberg Ostrinne

Bei schönem Wetter und Firnverhältnissen haben wir spontan Zeit , da Arbeit gekündigt oder in meinem Fall verboten wurde. Martin muss bei seiner Saisonstelle im Skigebiet auch aufhören zu arbeiten dank des Corona-Virus.

Wir treffen uns in Buchs SG und gehen ca um 6:30 beim Parkplatz Malbun am Buchserberg los. Wenige Leute sind jetzt schon unterwegs und der Zustieg via Isisizgrat ist sehr gut zu gehen, da der Schnee sich dank der nächtlichen Abstrahlung verfestigt hat. Unser Ziel des Tages ist, die Ostrinne des Gamsbergs abzufahren und wenn die Verhältnisse es zulassen über die Nordwand aufzusteigen.
Die Ostrinne ist ca 40° Steil und Ostseitig ausgerichtet. Die Nordwand besteht aus Schnee, brüchigen Felsen und Graspolster. Wir wissen noch nicht genau was uns erwartet und wir sind beide heiss drauf, endlich die möglichen Aufstiege zu besprechen.

Nach der kurzen Abfahrt vom Grat runter zu den Ställen von „Ober Länggli“ wird wieder angefellt und weiter geht’s über die coupierten Rücken in Richtung Wand. Die Qual der Wahl. Einiges sieht möglich aus, einiges zu Steil um ohne Sicherungsausrüstung aufzusteigen…

Wir entscheiden uns, die Y-förmige Rinne in der Mitte des Linken Wandteils zu inspizieren und wechseln auf ca. 2030m.ü.M auf Steigeisen und Eisgeräte. Die Rinne beginnt gemächlich bei vlt. max 50° Steilheit und bei der Vergabelung kommen weitere Möglichkeiten in den Blickwinkel. Von hier gibt es 4 Möglichkeiten: Das Y, welches gerade hoch ein wenig Eis bereit hält und Steilheiten von 90° und der rechte Arm des Y welche flacher, aber in den steilsten Passagen auch 85° steil ist.
Die Varianten, welche Links raus gehen wären eine 50° steile Firnrampe, welche weiter oben in die Ausstiegsrinnen mündet und eine direktere Linie über gestuftes Mixed-Gelände.

Ich starte in den rechten Arm des Y, da ich diese Linie sehr anziehend fand und wohl noch zurück klettern könnte, falls es weiter oben nicht mehr weitergehen würde. Die Schlüsselstelle ist steil, die möglichen Eisgerät-Haltepunkte beschränken sich auf die 30cm auf der rechten Seite des Risses/Kamins. Für die Füsse gibt’s harten Firn, Eis, Fels und Gras. Das Höhersteigen ist eine wahre Freude bei diesen Bedingungen und nachdem ich die Schlüsselstelle hinter mir habe wird mir klar: Zurück würde wohl gehen, ist aber alles andere als angenehm, da die Kletterei doch ziemlich delikat war. Ich melde Martin wie’s oben weiter ausschaut und er entscheidet sich, das Risiko nicht eingehen zu wollen (was ich sehr gut finde, da wir auch kein Sicherungsmaterial dabei hatten um es ihm sicherer zu gestalten und man in solch einer Situation besser defensiver entscheidet anstatt sich gedrängt zu fühlen). Er geht den grossen Kamin auf der linken Seite der Nordwand.
Zurück zum Y; nachdem das Couloir ca 60m verfolgt wird kann über ein Schneefeld weiter nach rechts gestiegen werden bis ca 30m unter der grossen Felswand die hier direkt über einem thront. Hier geht’s zurück nach Links über eine feine Schneeauflage und wunderbaren Graspolster. Die Kletterei ist nicht sehr schwierig, ein Fehler wäre aber fatal bis tödlich, da man sich oberhalb des grossen Felsriegels der Wand befindet. Auch um dies abzusichern bräuchte es einiges an Ideenreichtum.

Man kommt zurück in die geneigtere Wand und in dichtere Schneeauflage und es geht weiter über den Schnee mehr oder weniger gerade hoch zum Ostgipfel. (55° Schnee/Firn max). Hier treffe ich wieder auf Martin, welcher über die Ostflanke ausgestiegen ist und mir berichtet, die Abfahrtsverhältnisse wären bereits soweit, dass wir besser abfahren anstatt den Hauptgipfel noch zu besuchen. (Der liess mich nicht los und ich war darum 2 Tage später nochmals alleine da, um dies noch nachzuholen)

Die weitere Überschreitung auf den Hauptgipfel geht mehr oder weniger dem Grat entlang. Hier aufpassen auf Wächten, brüchigen Fels und Blankeis. (I – II)

Die Ostflanke hat bereits Fischmäuler und eine Begehung dieser Flanke am Nachmittag wäre lebensgefährlich. Auch wir ziehen den Hang gleich in einem Zug durch, dass wir uns nicht zu lange im onehin schon offensichtlich gefährlichen Hang befinden.

Die weitere Abfahrt und zurück zum Ausgangspunkt birgt keine Schwierigkeiten oder objektive Risiken mehr (bei diesen Verhältnissen) und wir geniessen das beste Wetter und den eben erlebten Erfolg an einem Berg der eigentlich so nah und perfekt fürs Training wär, aber wir beide trotzdem noch nie besucht hatten im Winter/Frühling.

Fazit

Superschöne Tour, weg von all dem Rummel am Buchserberg und den beliebten Skigipfeln.

Zeit:
Die Beste Zeit für diese Tour ist im Frühling bei Firnverhältnissen oder nach sehr langen Schönwetterperioden im Winter.
6:30 Start Buchser Malbun
7:30 Isisizgrat
8:00 Beginn weiterer Aufstieg ab „Ober Länggli“
9:00 Weiter mit Steigeisen in die Nordrinnen
10:15 Ausstieg aus der Wand
11:00 Abfahrt Ostrinne und zurück

Länge & Schwierigkeiten der Tour:
1500 hm Aufstieg & Abfahrt
15km Distanz (hin und zurück)
Rechtes Y: M4/5 85° Mixed
Grosse Nordwandrinne: 60° Schnee und Firn

Ausrüstung:
– Skitourenausrüstung Standart
– Steigeisen und Eisgeräte (kann je nach Verhältnissen und gewählte Route variieren)
– Notfallausrüstung

1 Kommentar zu „März 2020 – Gamsberg Ostrinne

  1. Und das alles vor dä Huustürä….genial👍🧗‍♀️⛷

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