Eiger Nordwand Heckmair 8.1 – 9.1.20

Die Wand aller Wände, die Todeswand oder einfach nur ein grosser Lebenstraum der in Erfüllung geht.

Zusammen mit Andrea starte ich mit der 1. Bahn in Grindelwald. Die Bedingungen sollen gut sein und Wind ist auch nicht zuviel gemeldet (somit weniger Steinschlag bei solch trockenen Verhältnissen). Die Temperaturvorhersage ist auch gut, mild, für die nächsten beiden Tage mit Höchstwerten von 0°C auf 2700m.

Von der Eigergletscher Station queren wir unter die Wand und nach ca. 45 Minuten ziehen wir alles an und machen uns bereit für die Kletterei.
Mit uns starten noch 2 weitere Begeher, aber sie lassen uns den Vortritt. Es ist 9:00 Morgens.

In besten Verhältnissen geht’s über den Vorbau dem Schwierigen Riss entgegen, welchen wir nach 2.5h erreichen. Hier sichern wir das erste Mal. Was für unglaublich gute Verhältnisse bis hierhin!!

Nach dem Schwierigen Riss geht’s zuerst die mit Schneis gefüllte Verschneidung hoch und dann weiter nach Links zum Hinterstoisser-Quergang. Bei meiner ersten Durchsteigung der Heckmair-Route konnte ich mir nicht vorstellen, wie diese Stelle frei geklettert werden soll aber heute kann man einfach im harten Firn hinüber spazieren. Was für eine Freude!
Schwalbennest, 1. Schneefeld und dann der Eisschlauch heissen die nächsten Hindernisse, wobei wir die ersten beiden simultan mit Tibloc gesichert gemeinsam hochsteigen.
Den Eisschlauch sichern wir in 1 langen 50m-Länge durch.

Weiter ging’s im 2. Schneefeld in super Trittschnee zum Bügeleisen. Gleich zu Beginn wartet eine steilere Stelle, welche aber gut aufgeht und schön zu klettern ist.

Todesbiwak – 15:00 – noch 2 Stunden natürliches Licht.
Was sollen wir tun…?! Am nächsten Tag ist im Verlauf des Tages stärkerer Wind gemeldet – und somit mehr Steinschlag. Von hier warten eigentlich noch alle schwierigen Stellen auf einen und es darf mit einem ganzen Tag Kletterei gerechnet werden.

Ich entscheide, dass wir weiter klettern, da 2h im Licht herumsitzen ja sowieso nicht sehr sinnvoll wäre.
Es folgt die Rampe, welche das Spanierbiwak bereit halten würde, was mein Notfallplan wäre. Ansonsten wollen wir aufs Brüchige Band – bzw. zum Götterquergang zum biwakieren.
Die Kletterei ist Kaminartig und abwärts geschichtet, es klettert sich aber sehr gut. Bei der Schlüsselstelle der ganzen Wand bei diesen Verhältnissen, dem Wasserfallkamin, kommen wir um 16:15 an und ich packe sogleich an. Die Kletterei ist ein Mix aus Drytooling und Kaminklettern, in einem ziemlich steilen Kamin und ziemlich anspruchsvoll.
Die darauf folgende Länge können wir nicht direkt in der Verschneidung klettern, da hier Schneerollen und lockerer Schnee auf die Begeher warten würde und wir umgehen die ersten vlt. 10m Links via Felsen (V, Haken) um dann zurück in die Verschneidung zu gelangen. Nach der halben Seillänge geht das Licht aus und ich bin froh, am vorherigen Stand bereits die Stirnlampe montiert zu habe. Auf dem Rampeneisfeld mache ich Stand an 2 Eisschrauben – „Nachkommen“!!

Weiter gehen wir auf dem Rampeneisfeld zum Brüchigen Band welches wir ganz links ersteigen und dann nach rechts queren. Hier Biwakieren?! Nein lieber nicht, denn liegen könnte man hier wohl kaum angenehm. Also steige ich noch den unglaublich steilen aber henkligen Brüchigen Riss hoch (welcher übrigens super Fels für den Begeher bereit hält), um vor dem Götterquergang Stand zu beziehen. Andrea folgt und nach einigen Minuten schaufeln ist der Biwakplatz bereit. 3.5m Lang und 50cm breit ist dies wahrscheinlich die ausgesetzteste Stelle, auf welcher man biwakieren kann in dieser Wand. Unglaublich der Tiefblick nach Grindelwald und zu den Skigebieten.

Wir kochen Wasser, denn die Speicher müssen gefüllt werden. Alles angenehm ohne Schlafsack auf der Matte sitzend, die Beine gen Tal gerichtet. Kein Wind, nicht kalt. Wir sind glücklich.

Die Nacht geht wider erwarten schnell vorüber und der Wecker klingelt bereits um 4:45 Uhr. Ich ziehe mich im Schlafsack an und koche nochmals Wasser fürs Frühstück. Um 6:00 klettere ich wieder los, noch immer ist es dunkel aber ich kenne den Weg und von Zeit zu Zeit sieht man die Spuren von meinem Freund Dres, welcher mir Informationen zur Wand gegeben hat.
Die nun folgende Passage ist die mit Abstand am meisten ausgesetzte der ganzen Wand – der Götterquergang. In der Felswand oberhalb der logischen Linie finden sich ca. alle 30m Schlaghaken welche einen Absturz vermeiden würden. Reinstürzen würde ich trotzdem nicht ausprobieren wollen!

Weiter geht’s in der Spinne in zuerst Blankeis (super um abzusichern und mit Microtrax gleich weiter zu steigen. Nach 10m kamen wir wieder in Firn und steigen gemütlich dem Ausstiegsriss entgegen. Dieser ist zwar wieder eher ein Kamin, klettert sich aber wie die Rampe super und wir kommen gut voran. Beim Quarzriss wartet die nominell schwierigste Stelle der ganzen Route und ich lege gemächlich los. Beim 1. Schlaghaken ca 5m oberhalb vom Stand kann man über feine Leisten und ein 2-Finger-Loch nach links in den guten Riss queren und die Stelle ist sicher nicht schwieriger als der Wasserfallkamin im trockenen Zustand.
Die Querung zum Corti-Biwak (wo ich sicher nie biwakieren will! 😉 ) geht wieder ohne Probleme.
Weiter den Ausstiegskamin hoch in etwa 2 Seillängen, mehr oder weniger trocken, bis zu einem Stand vor dem Ausstieg.
Hier gibt es 2 Varianten, entweder man geht um den Felskopf rum und Links in Fels und Schnee hoch auf die Schulter und von da via Gipfeleisfeld zum Mittellegigrat oder man geht um den Kopf und gerade hoch, leicht rechts haltend via Eisrinnen zum Eisfeld. Wir wählten die 2. Variante, da die Felsen alle mit Rauhreif überzogen waren und ein halten der Griffe eher mühsam erschien.


Wir sichern nochmals einige Seillängen hoch über die Eisrinne und stehen dann auf dem Mittellegigrat. 10 Minuten später sind wir auf dem Gipfel um 12:00. Eiger via Heckmair-Route. Super gemacht Andrea!


Der Abstieg via Westflanke war zuerst mühsam im Bruch und dann querten wir in die Flanke und stiegen über die Schneefelder ab. 2.5h später waren wir wieder beim Eigergletscher – in der Zivilisation.

Fazit:
Eine Begehung mit viel Geschichte, eindrücklichem Ambiente, 1Mio-Sterne Biwak und ausgesetzter Kletterei.
1800hm Höhendifferenz und 3.5km Kletterdistanz.



Du willst diese Wand auch mal durchsteigen, dir fehlt aber das Niveau, Partner, du bist dir unsicher, oder du willst gezielt auf diese Route hintrainieren?!
Kontaktiere mich unverbindlich mit deinen Fragen oder Anliegen!

Kontakt

1 Kommentar zu „Eiger Nordwand Heckmair 8.1 – 9.1.20

  1. Super g’macht ihr beidä, bravo…..! Schönschte und idruckvollschti bett i dä schwiiz händer gha…..
    LG Dad

    Liken

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