Rautispitz Nordostgrat Winterbegehung

Im Sommer eine alpine Kletterei mit Kletterstellen bis 5a ist diese Route bei winterlichen Verhältnissen ein richtig cooles Abenteuer vor der Haustüre.
Ausgesetzt, spannend und anhaltend gestaltet sich die Kletterei an Fels und Gras über diesen Grat und bleibt bis zum Gipfel interessant.

Zustieg

Los geht’s mit meinem guten Kumpel Martin um ca 7:15 Uhr beim Parkplatz beim Obersee. Der Zustieg via Wanderweg und wegloses Gelände führt uns wie folgt zum Einstieg am Grat:

Grün – Zustieg
Rot – Abstieg

Anmerkung zum Zustieg:
Dieser ist steil und äusserst lawinengefährdet und darum nur bei sehr sicheren Verhältnissen anzugehen. Die Lawinenausrüstung gehört natürlich zum Grundsortiment bei solch einer Unternehmung!

Route

Am Grat angelangt geht man zuerst diesem in flachem Gelände in richtung des 1. Aufschwungs. Etwa 10m neben der Gratkante kann man über eine Rampe aufsteigen und später am Felssporn links herum hoch bis zum Bolt auf der Höhe der flachen Rampe welche nach Links führt. (M3)
Weiter verfolgt man die Rampe und klettert einen kurzen Aufschwung welcher mit einem Bohrhaken an der rechten Wand abgesichert ist. Etwa 5m höher an der linken Wand hat’s einen Bohrhaken, an diesem Stand. (M4)
Die 3. Seillänge geht hier leicht links hoch auf die Schulter und in exponierter Kletterei zurück in den Kamin (BD 0.5 für die Absicherung dieser Stelle). Im Kamin gerade hoch und über den steilen Aufschwung hoch (BD 1 oder 0.5 zur Absicherung dieser Stelle) bis zum Grat (M5). Hier hat es keine wirkliche Standmöglichkeit. Ich bin hier auf der anderen Gratseite abgestiegen und habe über den Körper nachgesichert.

Der Weiterweg ist einfach aber sehr ausgesetzt, es hat einige kurze Aufschwünge bis ~70° im Steilgras und Schrofengelände, der nächste Aufschwung ist im nächsten Bild die kompakte Felsstufe am Horizont. Man folgt eigentlich immer der Gratkante, ausser es gibt eine offensichtlich viel einfachere Möglichkeit.

Am 2. Aufschwung sind die beiden Schlüssellängen. Vom Stand mit 2 BH geht’s links davon am Riss hoch via Schlaghaken (wenn man frei klettert braucht man den nicht) zu einem Bohrhaken. Von diesem weg kommen einige strenge und weite Züge mit „Plattentritten“ bis man rechts oben auf dem grossen Grasbüschel steht (hier 2. BH). Einfacher aber immer noch fordernd(M5) durch die Rinne hoch bis zum Stand mit Kette (noch 1 BH dazwischen), 15-20 Meter, M6/7, 3BH.
Nun geht’s den logischen Weg durch den rechten der beiden Risse oberhalb. Vom Stand etwa 5m diesem folgend und dann nach rechts raus auf den Grat. Nach ca. 40m kann Stand an einem Köpfel mit Schlinge gemacht werden (Achtung, weder Sicht- noch Hörkontakt zum Sicherungspartner!). 40m, M5, 3BH.

Die Hauptschwierigkeiten liegen nun hinter einem aber man darf sich auf keinem Fall gehen lassen. Es warten äusserst ausgesetzte Stellen. Wir überklettern die 2 nächsten Aufschwünge jeweils im Grad um M4/M5, jeweils ca. 12m. Der Nachsteiger kann nur direkt über den Körper auf der anderen Seite des Grates gesichert werden, da man jeweils ins Gras aussteigt. (Zwischensicherungen BD 0.5 und Sanduhrschlinge).
Die folgenden Aufschwünge umgehen wir auf der Ostseite. Auch die vorherigen könnten auf der Ostseite einfach umgangen werden.

Abstieg

Für den Abstieg gibt’s einen Wanderweg. Das Problem bei den Verhältnissen ist, dass man die Spuren nicht sieht und die Markierungen nur ab und zu. Ohne Spuren ist es schwerstens zu empfehlen, dass man die obersten 700hm noch mit Licht absteigt. Bei Nebel oder Dunkelheit ohne Spuren muss man dann wohl mit GPS absteigen und vorsichtig unterwegs sein, da ein Sturz in diesem Gelände schlimme folgen haben würde.

Allgemeines, Zeiten und Taktik

Unser Zeitplan (Wir mussten alles Spuren)
7:15 – Start Parkplatz Obersee
9:45 – Grateinstieg
14:15 – Gipfel
14:45 – Start Abstieg
17:00 – Parkplatz Obersee
Wären bereits Spuren vorhanden könnte man wohl um 1h im Aufstieg und 30min im Abstieg schneller sein.

Material
– 50m Seil (mit Beal Escaper für den Notfall)
– 5 Express-Schlingen (Verlängerbare!!)
– BD Camalots 0.4 – 1
– Zackenschlingen
– Lawinenausrüstung

Taktik
Wir sind alle Graspassagen und einfacheren Abschnitte Seilfrei gegangen, da ein Absichern weder für Vorsteiger noch Nachsteiger sinnvoll möglich gewesen wäre und dabei sehr viel Zeit verloren ginge, wenn man irgendwas mit dem kurzen Seil versuchen würde.
Der Grat ist ziemlich lang und braucht bis zum Gipfel und weiter für den Abstieg höchste Konzentration. Ohne Spuren oder Vorkenntnisse des Berges sollte für alles genügend Zeit eingeplant werde.
Alles in allem eine interessante und fordernde Tour welche bestens für die Kletterei bei Winterverhältnissen geeignet ist.

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