Grandes Jorasses Walkerpfeiler

Am 30.7.2019 gehts um 8:00 nach dem Frühstücken beim Bäcker des Vertrauens in Chamonix mit der Zahnradbahn los zum Mer De Glace – Gletscher unter der bekannten Petit Dru und zahlreichen weiteren bekannten Gipfeln welche nicht weniger schöne Touren beherbergen.
Um 8:30 starten wir von der Station los Richtung Gletscher und sind voll motiviert, ein Abenteuer zu erleben!
Der Zustieg zum Berg ist weit… wirklich weit. Wir rechnen (was laut Führer so tönt) mit 6 Stunden latschen, sind aber ziemlich zügig unterwegs und stehen um genau 12:00 nach dreieinhalb Stunden am Fels und steigen los in den einfacheren unteren Teil. Der Gletscher war sehr gut zu gehen und nur eine eher grosse Spalte musste übersprungen werden, was dann doch ziemlich an unserem Distanzlimit war mit diesen schweren Rucksäcken! 😉

Wir klettern mit den Bergschuhen los. Zuerst gehts einfacher dafür ein wenig brüchig los, keine Ahnung wie weit aber wir brauchen ca 1h 30min bis wir die Schuhe wechseln und nach gerade hoch starten. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass ich die erste wirkliche SL (ca 5b/c) noch in Bergschuhen geklettert hatte. Fand ich auch ziemlich anspruchsvoll plattig, ging aber grad so, da ich sowieso keine Wahl mehr hatte, nachdem ich die Länge gestartet hatte.
Aber nun gehts endlich los mit der richtigen Kletterei und alles geht ziemlich gängig dahin. Unter dem Rébuffat-Riss treffen wir 2 Japaner, welche sich einige SL zu weit nach Links verstiegen hatten. Ich schaute schon nicht schlecht, als ich bemerkte, dass die beiden lediglich mit einer doppelt genommenen Repschnur zusammengebunden waren.
Am Stand bei Andrea angekommen, sagte ich zu ihm, dass wir uns besser beeilen, da ich doch nicht sehr scharf drauf war, jemanden abstürzen zu sehen.
Ich klettere einige Längen voraus, wir klettern simultan bis zur 75m-Verschneidung. Ich führe hier noch 2 schöne Längen weiter und dann übernimmt Andrea wieder.
Über den Pendelabseiler lässt er mich runter und ich klettere gleich noch hoch zum nächsten (selbst gebauten) Stand. Er folgt und ich führe alle folgenden Längen über die Grauen Platten. Die 1. SL von derselben klettere ich am Start rechts rum und dann über einen Bogen nach Links und wieder Rechts zurück. Wir sind uns einig, dass dies bei Eis oder Nässe wohl sehr unangenehm sein wird.
Die letzten 2 Seillängen führt wiederum Andrea und um 19:00 sind wir beim 2. Cassin-Biwak. Hier biwakieren wir.
Die Nacht ist nicht sehr erholsam, ständiger Steinschlag und die Angst davor getroffen zu werden.

Der nächste Tag startet mit einer Länge im Grad 5c zurück auf den Grat nach Links. Wir beide sind skeptisch, da es doch ein ziemlicher Kaltstart ist, mit diesen schweren Rucksäcken. Andrea führt die Länge aber souverän und auch ich steige sogar mit Handschuhen ziemlich locker nach. Im Vergleich zu den anderen Längen ist diese ziemlich soft bewertet denke ich. Es sind aber auch super (trockene) Verhältnisse.
Am meisten freuts mich heute eigentlich, weg vom Biwakplatz zu kommen, da ich auf dem Grat weniger Steinschlag vermute, was sich auch bewahrheitet.
Dem Grat entlang gehts hoch und 2 Seillängen weiter übernehme ich wieder. Ich suche uns den Weg hoch bis direkt vor den Roten Kamin. Hier übernimmt Andrea wieder und es ist eine wahre Freude, ihm zuzuschauen beim höher steigen. Der Kamin ist teilweise vereist und die schwierigste Entscheidung hier ist mit Abstand die Schuhwahl. Wir entscheiden uns für Bergschuhe mit Steigeisen, was sicher nicht falsch ist hier.
Danach gehts rechts raus und wir kommen in einfacheres Gelände. 1 Seillänge sichern wir noch und dann steigen wir simultan bis eine Seillänge unter den Gipfel. Hier bastel ich noch einen Stand, da ich keine Absicherungsmöglichkeiten finde um sicher simultan weiter zu kommen. Der Stand besteht aus einem Pickel im dünnen Eis, welches mit Pulverschnee bedeckt ist und einem wacklig-alten Schlaghaken.
Andrea steigt bis zum Top und sichert mich nach.
13:00 Endlich oben!! Wir sind erleichtert und freuen uns sehr!

Lange verharren wir nicht auf dem Gipfel, da der Abstieg unbekannt, weit und nicht überaus einfach ist.
Über die Walker-Rippe steigen wir ab. Wir sind uns einig: scheiss Gelände – sandig, brüchig, unübersichtlich.
Unter dem Sérac im Gletscherbecken rennen wir durch zu den nächsten Felsen. Bei diesen Seilen wir 5 oder 6 mal ab und beim zweitletzten Abseiler verhängt das Seil. Ungesichert steige ich kurz hoch um das Ende runterzuholen. Kein Problem hier, da sich die Schwierigkeiten, wenn überhaupt, im 3. Grad bewegen.
Der Nächste Gletscherabschnitt ist wild. Ich will gar nicht wissen wies hier im Spätsommer oder Herbst aussieht. Auf jeden Fall finden wir einen guten Weg über den Sérac und die Spaltenbrücken zum nächsten Felsriegel. Hier wird abgestiegen und ganz unten nochmals 4 mal abgeseilt. Über den nächsten Gletscher gehts einfach in einer Spur dahin und nicht mal eine Stunde später stehen wir bei der Boccalatte-Hütte.
Eine Cola und ein Wasser später starten wir Richtung Tal wo wir um 18:45 ankommen.
Total planlos steigen wir in den öffentlichen Bus richtung Courmayeur und steigen irgendwo wieder aus. Wir versuchen zu Autostoppen aber niemand hält an. Wir steigen in einen anderen Bus und fahren nach La Palud. Hier direkt bei der Autobahneinfahrt machen wir erneut eine Session Autostop um zurück nach Chamonix zu kommen.
Etwa 20 Minuten vergehen, bis uns ein Bus mit 2 französischen Kletterern mitnimmt.
Um ca 21:00 sind wir zurück beim Auto und gehen erstmal richtig viel essen, da heute nicht mehr als ein Biberli und ein Riegel pro Person dringelegen sind.

Was für ein Abenteuer! Super Partner, super Tour und zum guten Glück stabiles Wetter!

Infos und Nützliches:
Wir sind uns einig, dass vor allem der Einstieg, wann’s hoch geht, nicht einfach zu finden ist, da sehr viele Stände und Haken wild im Vorbau verteilt sind.
Das ist auch der Grund, warum wir mit der Biwaktechnik in der Mitte der Route eingestiegen sind. Dies würden wir beide, jetzt wo wir den Routenverlauf kennen, nicht mehr unbedingt machen. Zum einen wegen des Steinschlags und zum anderen, weil die Rucksäcke einfach sehr schwer sind und die Kletterei mit Sicherheit mehr genossen werden kann, wenn sie ein paar Kilos leichter wären.

Material:
– 60m Einfachseil mit Beal Escaper für den Notfall
– 1 Satz Friends 0.3 bis 2 und einige Microfriends
– 10 Expressen
– 1 Kocher und 250g Couscous
– Monozack-Steigeisen und je 1 Eisgerät
– Leichte Bergschuhe
– Kletterschuhe
– Biwakausrüstung

2 Kommentare zu „Grandes Jorasses Walkerpfeiler

  1. Super gmacht, bravo!

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  2. Ihdrücklichi Sache wo du mit dine Gspändli leistisch und sehr intressant gschriebe, bravo wieter so!

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