Taufenkopf – „Centesimo“ mit Yosemite Variante

Am Tag zuvor haben wir uns im Klettergarten „Bergstation“ ausgetobt und doch einige ziemlich strenge Routen geklettert. Also fiel unsere Entscheidung für den darauf folgenden Tag auf die (zumindest auf dem Papier) nicht allzu schwierige Route „Centesimo“ am Taufenkopf, und am liebsten noch via Yosemite Variante. Diese ist teilweise clean und sehr gut abzusichern mit mobilen Sicherungsmitteln. (Am Ende des Beitrags ist unsere mitgebrachte Ausrüstung aufgelistet)

An diesem Tag (13. Juni) wurden hohe Temperaturen und strahlendes Wetter vorausgesagt. Also starteten wir beizeiten und nach 30 Minuten Zustieg stiegen wir um ca 8:30 in die Route ein.

Seillänge 1, UIAA 7-, Bolts
Diese Seillänge verspricht gutes Aufwärmen in z.T. ein bisschen botanischen Rissen. Die Schlüsselstelle ist ca auf halber Höhe und am einfachsten geht’s wenn man in den linken Riss klettert. Dieser ist am einfachsten mit Jammen zu bewältigen.

Seillänge 2, UIAA 5, Bolts
Start vom Stand weg in ziemlichem „Schrottgelände“ – Sand, Dreck, lose Steine, Wurzeln und ein vermodert altes Fixseil (welches ich nicht zu belasten getraut habe). Nach 5 Metern kommt man an einen weiteren Standplatz, bei welchem es Links die einfache Rampe hoch geht. Hier ist Vorsicht geboten, da noch immer nicht alles bombenfest ist. Stand direkt unter der Yosemite-Variante.

kurz unterm Stand 2

Seillänge 3, UIAA 7+, Clean – 2 Fixkeile
Wenn man diese Seillänge anschaut, fühlt man sich vielleicht ein wenig wie im Yosemite, die Kletterei bewegt sich auf jeden Fall an einer sehr schönen Granitschuppe welche zuerst geklemmt, und später als Seit- und Untergriff gepiazt werden kann, zum Stehen gibt’s einige ganz feine Strukturen in der Wand und ansonsten direkt in der Platte. Das Absichern dieser Seillänge ist nicht gerade schwierig, da die Placements eigentlich vom Stand aus bereits geplant werden können.
Die Kletterei an der Schuppe ist wirklich fantastisch und kaum zu übertreffen. Ein bisschen schade fand ich, wie „schlutzig“ diese bereits ist. Ich denke, dies kommt vom vielen Schwitzen der vorherigen Begehungen. Wir klettern hier immer noch im Schatten und können die Länge in vollen Zügen geniessen.

Seillänge 4, UIAA 8-, Clean dann Bolts – jetzt 1 Fixkeil
Vom Stand aus sehen die ersten Meter in der Verschneidung ziemlich schwierig aus, was sich beim Klettern dann als Irrtum erwies. Gute Tritte und Griffe in der Verschneidung machen das höher Steigen zu einer wahren Freude (vlt um 6a+). Steht man auf der Rampe ist der Weiterweg noch nicht ganz klar, da der Riss sich komplett schliesst und ein Weiterklettern oder Absichern unmöglich macht. Nach genauem inspizieren (natürlich aus der Kletterposition) findet man eine mögliche Lösung, welche perfekt aufgeht und richtig Spass macht! (Tipp für Wiederholer: Links hoch auf den Henkel und dann relativ weiter Zug nach rechts unten an den Riss, in welchem blind abgesichert werden muss. Hier habe ich unten BD Cam 2 und oben BD Cam 0.75 gelegt). Nach einigen schönen Zügen am Untergriff und dann Henkel beginnen die Bolts der Originalroute wieder und man ist für den Mantle nach Links in die Verschneidung perfekt abgesichert (um 6c). Einfacher (vlt. 6b) gehts nun mit super Absicherung noch ca 15m weiter bis zum Stand neben der Verschneidung unter dem markanten dreieckigen Dach.

Bemerkung: Leider hat mein Partner in dieser Seillänge keine Bilder gemacht, darum sind nur Bilder vom Stand oberhalb aufgeführt.

Seillänge 5, UIAA 8-, Bolts
Diese Seillänge ist wieder perfekt abgesichert mit Bohrhaken und das Klettern entpuppt sich als anspruchsvoller als erwartet. Sehr abwechslungsreich geht’s die Verschneidung hoch, welche vor allem gutes Anstehen auf kleinsten Leisten oder Reibung erfordert. Ein weiter Zug nach Rechts raus an ein grosses Eck erfordert Entschlossenheit kurz vor dem Stand und auch diese Seillänge gelingt mir ohne Belastung einer Sicherung – wenn auch nur im Nachstieg.

Seillänge 6, UIAA 6, Bolts
Mit der Einstellung noch ein bisschen „raus zu laufen“ wird man wohl in dieser Seillänge überrascht; so war’s dann auch bei uns. Vom Stand weg auf kleinen aber sehr guten Leisten auf Quarz-Strukturen geht’s zuerst steil los. Dann folgt eine Platte, welche mal kurz ziemlich steil ist. Gefolgt von einem Mantle auf das Band in der Mitte und später (für den Grad) ziemlich anspruchsvolle, steile Kletterei, welche nochmal Körperspannung und genügend Reserven auf Leisten fordert. In dieser Seillänge hatten wir bereits Sonne und waren froh, früh eingestiegen zu sein da es nun schon ziemlich warm wurde.

Abseilen
Das Abseilen ist eigentlich ziemlich einfach, da es praktisch keine Strukturen hat, welche einen Seilverhänger produzieren könnten. Beim Stand 2, unterhalb der Yosemite-Variante unbedingt den Stand der Variante und nicht den Stand der Originalroute verwenden. Dies ist der einzige Ort welcher ein Seilverhänger produzieren könnte und uns auch zum Verhängnis wurde. Ich denke auch mit gut geplanter Seilführung ist beim Abziehen ein Verklemmen des Knotens im Spalt 3m unter dem Stand der Originalroute sehr wahrscheinlich.
Beim letzten Abseiler darauf achten, den Stand oberhalb vom Schrott zu verwenden, da man am Boden den Steinen/Dreck/was auch immer besser aus dem Weg gehen kann, als am Stand unterhalb vom Schrott.

Ausrüstung
– Halbseile / 70m Einfachseil (Meiner Meinung nach mit Halbseilen besser aufgrund Seilführung während der Kletterei und weniger Abseilern)
– 10 Express-Schlingen
– Microcams Rot und Gelb (0 und 1)
– BD Cams 0.4 bis 2 (evtl. 0.75 bis 2 doppelt)
– Stand und Abseilausrüstung
– Keile sind nicht zwingend erforderlich

Fazit
Sehr schöne und lohnende Tour – vorallem in Verbindung mit der Variante!
Kann sehr gut als Halbtagestour in Verbindung mit einer weiteren Route an der Wand oder einem Klettergarten im Zillertal verbunden werden.
Unsere Kletterzeit betrug etwas um 2h 30min.
Das Topo ist unter folgendem Link oder dem lokalen Kletterführer einsehbar: https://www.bergsteigen.com/fileadmin/userdaten/import/topos/419_Topo_1f893026-d495-4c20-9da5-1a8a9b52fde5_amokcentissimo.pdf

1 Kommentar zu „Taufenkopf – „Centesimo“ mit Yosemite Variante

  1. Cool👍🤘

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