Chamonix April 2019

Cabane de Trient

Die Woche beginnt gemütlich bei mir Zuhause und am Anreisetag gehen wir noch Klettern im Klettergebiet Mapragg bei Vättis.

Nach einer Nacht im gemütlichen Wagen starten wir unsere Tour zur Cab. de Trient.
Gestartet wird in Argentière mit der Bahn hoch zum Glacier de Lognan, da die Grands Montets nicht fährt, weil sie brannte.
Nach dem Anfellen starten wir mit einigen anderen Gruppen den Aufstieg zur „Cabane“, die ersten von einigen Höhenmetern, die wir heute noch hinter uns bringen werden 🙂 Die erste Abfahrt bringt uns auf den Glacier d’Argentière und zu unserem nächsten Anfallplatz.
Weiter geht’s über den Glacier du Chardonnet hoch ins Col du Chardonnet 3320 m.ü.M.. Nicht schlecht schauten wir uns an, als wir die bevorstehende „Abfahrt“ anschauen, welche mit einem Fixseil gesichert und betonhart war. Die weitere Abfahrt führt uns über den Glacier de Saleinaz zu unserem nächsten „Reifenwechsel“, hoch gehts aufs Fenêtre de Saleinaz. Heiss war kein Ausdruck bei diesem Aufstieg, wir fliessen wortwörlich aus. Schon länger sind wir ziemlich durstig und jetzt geht das Wasser langsam aus. Wir machen eine Pause, mittlerweile war es schon 14:30. Unseren eigentlichen Plan (Copt Couloir an den Aiguilles Dorrées) verwerfen wir, da der Flüssigkeits-Mangel in dieser Höhe nicht sehr angenehm ist, und uns die Zeit davonrennt.
Also entschliessen wir uns auf ein nahes Col aufzusteigen und dort noch ein bisschen am Grat zu Kraxeln. Wir sind nun übrigens seit mehr als 5 Stunden total alleine unterwegs. Langsam frage ich mich warum wohl keiner unterwegs ist, jetzt, in der Osterwoche…
Nach zurückkehren zum Skidepot fahren wir in perfektem Schnee mit blauem Himmel runter zur Cabane du Trient, die wir um ca 17:00 Uhr 8 Stunden nach unserem Start erreichen.
Was für ein Tag!
Die Hüttenwartin erzählt uns dann noch, dass viele Leute abgesagt hatten, da der Wetterbericht nicht übereinstimmig perfektes Wetter voraussagte.
Ich denke die Bilder sprechen für sich!;)


Aiguille du Chardonnet – Arrête Forbes

Den nächsten Tag starten wir ein wenig früher, da ein weiter Zustieg und Grat gemacht werden will!
Das Ziel ist die Arrête Forbes auf die Aiguille du Chardonnet.
Um 5:00 gehen wir unter der Hütte auf dem Gletscher noch in totaler Dunkelheit richtung Col du Tour los. Pünktlich als es etwas dämmert stehen wir oben auf der Scharte und schnallen Steigeisen an und Skier auf den Rücken. Auf der anderen Seite geht es etwas steil und schmal im Schnee und einer kurzen Felspassage einige dutzend Meter runter. Als wir wieder eine kurze Abfahrt starten (bei welcher man am besten einfach hoch quert um nicht zu viel Höhe zu verlieren), können wir die Stirnlampen ausschalten.
Wieder aufgefellt gehen wir in Richtung Arrète Forbes und sehr steil aussehendem Aufstieg. Der von weitem sichtbare Aufstieg ist in der Tat richtig steil und führt noch dazu unter einem beeindruckenden Sérac durch…
Wir seilen uns das erste mal an, da wir hier schon grössere Spalten erwarten, als wir bis anhin hatten. Sehr steil starte ich mit dem Spuren unter dem Sérac,
leider ein muss, dass überhaupt noch mit Ski aufgestiegen werden kann, da weiter daneben blankes Eis mit einer nur wenig mächtigen sehr lockeren Schneeschicht bedeckt ist und es unglaublich steil ist (siehe Bilder).
Als es abflacht kommt eine Spaltenzone welche im Moment sehr angenehm durchquert werden kann.
Weiter gehen wir direkt die steile Flanke links vom nächsten Sérac hoch, bis es keinen Sinn mehr hat, da die Unterlage mit Skiern in dieser Steilheit einfach zu hart wird. Wir machen ein Skidepot und gehen nur mit unseren Steigeisen, Pickel und einem Stock weiter.
Beim 3. Anlauf finde ich einen Übergang für den Bergschrund, nachdem 2 mal extrem instabile Brücken keinen Durchgang gewährten.
Super Trittschnee unter älterem Triebschnee bedeckt hier die Eisflanke und das vorankommen wär eigentlich ganz angenehm, wenn da nicht das Einsinken beim Spuren wär.
Endlich am Einstieg ziemlich genau nach 3.5 Stunden nach unserem Start erreichen wir den Einstieg der eigentlichen Schwierigkeiten und der Aufstieg hat bereits einiges von uns abverlangt. Besonders Babsi gehts nicht besonders gut, da sie diese Nacht eigentlich kaum geschlafen hat und sehr wenige Ruhetage hatte die letzten Wochen und Monate. Trotzdem stellt das Klettern sie wieder auf, man sagt ja auch, dass Klettern eine Droge sei!;)
Immer interessant geht es dem Grat entlang abwechselnd in Schnee und dann wieder Fels und häufig schneebedeckten Fels.
Nach der letzten „wirklichen“ Schwierigkeit, einer exponierten Umgehung eines Turms auf der Nordseite des Grates brauchen wir eine Pause. Die letzte Seillänge ist Babsi in ca 45 Minuten vorgestiegen (Auf jeden Fall an diesem Tag die psychische Schlüsselstelle). Das Gelände wäre eigentlich nicht schwierig wenn da nicht bis 50cm lockerster Pulverschnee, den man sich den ganzen Winter sogar wünschen würde, auf den zum Teil abschüssigen Felsen liegen würde.
Ihr ist sehr kalt, wie ich es selten bei jemandem erlebt habe (Wir vermuten, dass es von der Übermüdung kommt). Wir sind uns einig, dass wir den Abstieg starten sollten, da dieser in diesem doch ziemlich anspruchsvollen Gelände in Skischuhen und Steigeisen doch einiges an Zeit und Energie kosten wird, da alles wieder retour und hoch und runter geklettert werden will.
Diese Tour ist im Sommer, wie sie gedacht ist, sicher sehr interessant aber bei unseren angetroffenen Verhältnissen wirklich ziemlich anspruchsvoll und nicht zu unterschätzen.
Die Abfahrt von unserem Skidepot nach Le Tour war dann, bis auf die obersten und untersten 100hm, ziemlich unschlagbar. Obere Hälfte feinster Pulver in sehr schöner alpinen Umgebung und unten Sulz.
Auch heute haben wir praktisch keine Menschen gesehen und wenn, dann waren sie Kilometerweise entfernt. So habe ich Chamonix noch nie erlebt!

Ein netter Skilehrer hat uns dann noch mitgenommen bis nach Argentière, wo wir unser Auto geparkt hatten.
Wahnsinnstag!


Tour Ronde & Aiguille d’Entrèves

Am 3. Bergtag, nach einem Ruhetag im Tal ging’s wieder los in die Berge.
Mit der 1. Bahn fuhren wir auf die Aiguille du Midi. Hier erwartete uns der Föhnsturm bereits und schon beim Tunnelausgang der Bahn hatten wir sämtliche Kleidung an, die wir dabei hatten. Die gut präparierte Spur gings runter in die Fläche und von da an mit Skis in Richtung Vallée Blanche. Beim Abzweiger ins Gletscherbecken unter der Tour Ronde montieren wir wieder die Felle und steigen gemütlich hoch bis zum Skidepot vom Normalweg der Tour Ronde. Hier wechseln wir auf Steigeisen und spuren mal wieder zu Fuss weiter.
Kurzweilig ist die Tour und wir sind froh, dass das Gelände so einfach ist, dass man einfach gehen kann und nicht gross sichern muss, zu kalt ist’s mit dem mässig starken Föhn.
Gefühlt Minuten später stehen wir wieder bei den Skiern. Es ist erst Mittag und wir entschliessen uns noch der Aiguille d’Entrèves einen Besuch abzustatten. Kurzes zögern beim Einstieg wenden wir mit der Begründung, dass es auf dem Gipfel der Tour Ronde auch nicht allzu stürmisch war ab und schnallen die Skis auf den Rucksack. Wieder angeseilt steigen wir über einfaches Gelände über den Grat. Hier kann sehr gut über Zacken gesichert werden und wir kommen zügig voran.
Die Schlüsselstelle ist mit einem Fixseil abgesichert, aber mit einmaligem Anziehen an einem Henkel und hoch stellen des Fusses wird diese Stelle im 4. Grad überwunden. Der Wind ist grad noch im Rahmen und der Nebel verschont uns auch die meiste Zeit. Sehr schön hier alleine unterwegs zu sein, da es doch eine ziemlich beliebte Tour ist.
Vom Gipfel versuchen wir zuerst abzusteigen, doch zu abschüssig präsentiert sich das Gelände mit dem Pulverschnee auf den Platten. Also seilen wir 2 mal 25 Meter ab und gehen weiter dem Grat entlang Richtung Nordosten. Als es steiler wird beginnen wir wieder abzuklettern, dies ist eher anspruchsvoll (III) und heikel hier, da der Fels nicht über alle Zweifel erhaben ist (Abseilen wär möglich, aber ich habe nur für die untersten und auch heikelsten 20m einen Stand gesehen).
Wieder im flachen Gelände schnallen wir die Skis an die Füsse und fahren ab bis unter die Aiguille de Toule. Hier kommen wieder Felle drauf und der 30 minütige Aufstieg zur Rifugio Torino kommt mir vor wie ein Katzensprung.
Pasta als Vorspeise nehmen wir gerne und geniessen den Hüttenabend und Sonnenuntergang in der sonst oft total überfüllten Hütte.


Rochefort-Grat

Unser 2. letzte Tag, den wir für die Berge eingeplant hatten. Eine längere Tour war geplant: Wir wollten den Rochefort-Grat hin und retour klettern und vielleicht auf dem Rückweg noch die Dent du Géant besteigen. Aber alles sollte anders kommen, als wir uns das wünschten.
Als wir am Morgen starten windet es schon ziemlich. Es war Föhn gemeldet mit Wolken, welche von Süden herdrücken sollten.
Wir kommen ziemlich zügig voran und stehen in weniger als einer Stunde da, wo eigentlich der Bergschrund wär, wenn’s weniger Schnee hätte.
Wir entscheiden, dass wir das Seil weglassen, da das Gelände doch einiges unter unserem Niveau befindet und so jeder sein Tempo gehen kann. Die Verhältnisse waren ziemlich unterschiedlich mit zum Teil wirklich gutem Trittschnee aber meist war einfach lockerer Pulverschnee auf dem Schutthaufen, welcher zum Grat hoch führt. Babsi sagte mir als wir oben ankommen, dass sie das Gelände als doch nicht sehr angenehm empfand.
Nunja, wir stehen im Sturm hier und seilen uns mal an, da wir das Seil am Grat dann sowieso brauchen werden. Als der Grat zum Vorschein kommt und der Wind in unser Gesicht peitscht entscheiden wir, den verwächteten Grat sein zu lassen, da wir es mit diesem starken Wind und der Wetterentwicklung als zu viel Risiko einschätzen. Stattdessen gehen wir zum Einstieg der Dent du Géant, aber auch hier müssen wir feststellen, dass es sogar bei nur kurzem stehen (was beim sichern hier sicher länger der Fall gewesen wär) einfach viel zu kalt wird.
Also bleibt eine Option: runter.
Wir bleiben angeseilt und ich sichere Babsi über einige kürzere Passagen über Zacken, damit’s für sie ein bisschen angenehmer ist. Ich fühle mich eigentlich ziemlich wohl hier und steige es hinter ihr ab.
Zurück beim Skidepot staunen wir nicht schlecht, da es erst 9:30 ist. Der eigentliche Plan, weiter ins Fourche-Biwak zu gehen verwerfen wir ohne grössere Diskussionen aufgrund mehrer Gründe: allen voran, dass die Wetterentwicklung wohl auch für den nächsten Tag nichts besseres verheisst.
Wir starten die Abfahrt Richtung Vallée Blanche, welche mit Abstand eine unserer schlechtesten Abfahrten dieser Wintersaison darstellte 😉 Oben diffuses Licht mit sehr schnell wechselnder schlechter Schneequalität und unten meist betonhart oder sogar Blankeis. Die schweren Rucksäcke mit Kletter- und Skiausrüstung, Kocher, Essen und Notbiwakausrüstung machen’s uns nicht leichter auf dieser Buckelpiste.
Der Aufstieg zur Montenvers ist meist eh schon streng, aber im Normalfall fährt wenigstens ab der Mitte im Winter die kleine Gondel hoch. Normalerweise… aber Heute, am Ostersonntag, fährt sie aufgrund des starken Windes nicht. Also gehen wir noch hoch bis zum kleinen Bahnhof.

Unseren letzten Tag verbringen wir dann noch im Klettergebiet Bionnassay, welches 30 Minuten von Chamonix entfernt liegt und treten dann die lange Heimreise (wenigstens kein Feierabendverkehr an einem Feiertag 😀 ) an.


Lehren die man aus diesen Ferien ziehen kann:

  • Bei der Anreise, auch wenn man nichts macht, genug trinken, sodass man nicht schon am ersten Tag einen Flüssigkeitsmangel hat.
  • Nur weil die Wettervorhersage nicht perfekt ist, heisst es nicht, dass man nichts machen kann.
  • Das schöne an einer durchschnittlich guten Wettervorhersage ist, dass man meist alleine unterwegs ist und die Hütten auch an Feiertagen mehr als halb leer sind.
  • !Immer! eine zusätzliche (im ersten Moment nicht nötige) Kleidungsschicht einpacken, da man im Notfall oder bei starkem Wind froh darum ist.


Danke nochmals an Babsi für die schönen Touren und das gemeinsame unterwegs sein in einer unglaublichen Bergwelt!

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