30.11.2020 Gross Ruchen – der dunkle Turm

Zusammen mit Pauline wollen wir eine Mixedroute klettern. Von einem Kollegen erfahre ich, dass die Verhältnisse am Gross Ruchen gut sind. Wir schlafen in Spiringen bei meiner Kollegin Daniela und starten um 6:00 von da mit dem Auto zur Brunnialp. Die Bewilligung für die Strasse haben wir am Vortag beim Hotel Alpina für CHF 20.- geholt.

Um 6:25 gehen wir beim Auto noch im Schein der Stirnlampe in der Brunnialp los, es ist zwar -7°C aber der Aufstieg ist steil und schweisstreibend. Nach 1:20h stehen wir dann mit dem ersten Sonnenlicht (an den Gipfeln) am Einstieg.
Zuerst geht’s im Schnee zum Glück bereits gespurt aufwärts zur Rinne und die erste Felsstufe steht kurz darauf im Weg. Sie ist einfach aber noch halb schläfrig dann doch anspruchsvoller als erwartet. Es kann 5m oberhalb an der linken Seite des Couloirs im Fels an einem 0.3 Friend nachgesichert werden.
Weiter das Couloir hoch und an den Felsen nach rechts zur ersten Seillänge (M6, meiner Meinung nach) welche ein Kamin ist.
Dieser Kamin ist dann zum Aufwärmen ziemlich rund und abschüssig, kann aber im Riss hinten super mit 4er Friend abgesichert werden. Es ist auch sehr gut möglich (und etwas einfacher vlt. M5+), etwa 2m rechts des Kamins an Leisten zu klettern.
Die Bewertung zu dieser Länge finde ich ziemlich schwierig, es kann sein, dass ich einfach noch nicht aufgewärmt war oder den Fels nicht mehr gewohnt war aber es hat sich für mich doch nach der schwierigsten Länge der ganzen Tour angefühlt.

Seillänge 2, M4, wartet wieder mit einem Kamin auf, die Kletterei ist aber Welten einfacher. Ich spaziere die Länge praktisch hoch und unterklettere den fixen Block mit Schlinge (hier keinen Stand beziehen!!). Der Stand an der Zackenschlinge ist Top und problemlos zu beziehen, hier sicher die bevorzugte Standwahl!

In Seillänge 3, M4+, startet man über das Schneeband und ich bin bis zum grossen Risssystem geklettert und dann auf den Bändern zurück nach rechts. Die Absicherung ist an einem soliden Riss für die schwierigsten Züge sehr gut möglich und der Stand wird an einer tiptoppen Schlinge bezogen.

Länge 4, M3, ist dann einfach über ein Schneeband und eine kurze Felsstufe, welche dann aber nicht ganz solide und banal zu klettern ist wie erwartet. Nachgesichert habe ich im Loch hinten unten direkt über den Körper.

In der 5. Seillänge, WI3+, kommt der Eisfall, welcher übrigens bereits vom Parkplatz sichtbar ist, falls er denn vorhanden ist. Die Kletterei ist gut, wenn auch teilweise etwas Hohl. Wer der Route und den Anforderungen der Route gewachsen ist, braucht auch keine 10 Eisschrauben mitzunehmen, ich würde vorallem kürzere empfehlen. Der Stand dann an einem super Bohrhaken im soliden Fels vor dem letzten kurzen (3-4m) Eisaufschwung vor der Schlüssellänge.

Die Schlüssellänge (SL6, M6) startet im Eis, einfach und kurz hoch in ein Schneefeld. Am Anfang des Felses bringt man dann wieder einen kleineren Friend unter, welcher eher weniger vertrauenswürdig ist. Die Kletterei aber super geschichtet und im Kamin stemmend geht’s hoch bis zur bereits vom unteren Stand sichtbaren Rissschuppe in der rechten Seitenwand, hinter welcher man einen soliden Friend unterbringt (0.75 wenn ich mich recht erinnere). Einige Meter höher kommt dann der Zwischenstand, welchen ich dank den Empfehlungen von Marcel Dettling auslasse aber mit einer langen Schlinge klippe. Es geht nach rechts raus und in der ausgewaschenen Rinne wieder zurück ins Risssystem (Crux der Länge) und von da bedeutend einfacher hoch zum Stand.
Zusätzlich zum Stand habe ich da nichts zusätzlich abgesichert für die Schlüsselstelle, es muss schon ein wenig über den Haken geklettert werden, die Kletterei ist aber sehr kontrolliert möglich.

In Länge 7, M5+, geht’s dann laut Topo wieder einfacher zur Sache. Vom Stand weg zuerst durch einen kurzen Kamin und dann durch doch ziemlich loses Gelände hoch wo’s überhängend aussieht. Hier etwas rechts des verklemmten Blocks geht’s ziemlich reibungslos hoch und weiter rechts der Rinne noch 2m höher um dann wieder zurück in die Rinne und zu einem Stand an Schlinge zu gelangen.

Die darauf folgende Seillänge (SL 8, WI3 M4+) geht zuerst im Kamin steil und teilweise etwas brüchig hoch bis zur dünnen Eisglasur, welche bei uns mit zum Teil Felsen durchsetzt war aber superinteressant zu klettern. Stand dann wieder am Ende des Eises an kurzen Schrauben aber sehr unbequem. Die Absicherung dieser Länge mit Friends und kurzen Eisschrauben super.

Seillänge 9, M2, ist dann nach kurzem Überklettern der Felsstufe Gehgelände bis ins dunkle Loch unterhalb des Riesenblocks am Ausstieg in welchem man Linkerhand in einem Riss einen super Stand an Friends bauen kann.

Die letzte und nochmals super zu kletternde wirkliche Seillänge (SL 10, M5) starteten wir ziemlich viel weiter rechts als die Verschneidung geht. Hier geht’s nach kurzer Boulderstelle an einer steilen Wand einfacher in Rinnen und super Griffen hoch bis unter den Klemmblock am brüchigen Band. Hier kann linkerhand oder rechterhand in Rissen mit soliden Friends Stand gemacht werden.

Die Ausstiegslänge (M3) geht dann durch Bruch an den Ausstieg der Route, wo wir dann erstmals an diesem Tag die wärmende Sonne zu spüren bekamen. Leider blies hier ein eiskalter Wind, die erste Pause des Tages gönnten wir uns aber nichts desto trotz!

Fazit

Interessante und anspruchsvolle Nordwandroute. Die Absicherung ist durchwegs gut mit Friends möglich, ob die da wirklich halten würden sei dahin gestellt, bremsen würden sie aber sicher!;) Der Vorsteiger sollte das Niveau schon solide klettern können, ansonsten wird’s gefährlich.
Das Topo von Marcel (https://3.bp.blogspot.com/-34GBKgEDvk0/WLdFMfSFPmI/AAAAAAAALBQ/RZ18Z5TC4OU7RhcWOEQjbElY_E8qsiTUwCLcB/s640/topo.jpg) fand ich passend und hilfreich.

Infos

Ausrüstung:
– 60m Halbseile oder Einfachseil (& Rapline für den Notfall)
– Lange Exen und Schlingen um Seilzug zu vermeiden
– 4-6 Eisschrauben (2 x 10cm, 2 x 13cm, 1 x 16cm)
– 2 Sets Friends (0.3 – 1) & 1 x 2, 3, 4
– einige Microfriends wären nützlich
– Schlaghaken und Keile hatte ich garnicht dabei, könnte man aber teilweise einsetzen

Abstieg:
Über den Normalweg via Ruchenchälen einfach absteigen

Ein Abseilen über die Route wäre bis weit oben möglich, aber sicher weniger angenehm als auszusteigen. Bei den Ständen hätte ich bei keinem einzigen Angst, dass sie nicht halten würden.

Verhältnisse:
Der Eisfall sollte gewachsen sein, dies wird er wohl relativ schnell mal sein im Herbst, da die Wand wirklich nie einen einzigen Strahl Sonne abbekommt. Der Schnee sollte einigermassen gesetzt sein. Nach einem Neuschneefall würde ich die Tour sicher nicht machen.

Zeit:
8:00 Uhr Start Route
14:00 Uhr Ausstieg
16:00 Uhr zurück bei Brunnialp

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